Als Jesus sah, wie die Menschen um Lazarus weinten, da weinte er mit ihnen (vgl. Joh 11,35). Und damit ist das Wichtigste schon gesagt: Gott ist unser Schmerz nicht egal. Wenn wir heute unsere Verstorbenen an ihren Gräbern besuchen und an sie denken, weiß Gott um unseren Schmerz, um das Nicht-Fassen-Können, um unser Hadern mit dem Schicksal, um unsere Liebe zu denen, die uns vorausgegangen sind zu Gott.

Schmerz kann unerträglich sein. Und Trauer kann dauern, so lange, wie sie eben dauert, ganz unterschiedlich von Mensch zu Mensch, jeder lebt sie anders. Es gibt Trauer, die unerträglich werden kann. Und, seien wir ehrlich, das Leben will trotzdem weitergehen. Während unsere Welt stehen bleibt, weil ein naher Mensch uns verlassen hat, sollen wir trotzdem funktionieren, können wir nicht einfach auf Pause drücken und unsere Welt anhalten, um erst weiterzuleben, wenn wir wieder dazu bereit sind.

Die Lazarusgeschichte teilt uns etwas Wichtiges mit: Gott steht uns bei all dem bei. Er hat nicht einfach den Tod und den Abschied in die Welt gestellt, sondern wir können uns mit unserem Schmerz an ihn wenden. Wir können uns ihm anvertrauen, wenn es nirgendwo mehr Halt gibt, der uns hält. In Gott „leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17, 28). In ihm ist alles aufgehoben, die Lebenden, die Toten, alles, was voneinander schmerzhaft getrennt wird, ist in ihm vereint.

Christiane Kuropka

X