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Wort zum August

 

Erwachsen sein – das klingt, als würde man in einen anderen Zustand geraten. Erwachsen-Sein im Gegensatz zum Kind-Sein, fähig im Gegensatz zu unfähig, verspielt im Gegensatz zu nüchtern und verantwortungsbewusst. Was für eine Lüge – es gibt kleine Kinder, und, wenn man die Jugendzeit als größeres Kind hinter sich gelassen hat, ist man eines Tages ein großes Kind in einer Welt anderer großer Kinder, die mit einem Mal selbst kleine Kinder haben. Man ist kein anderer Mensch, sondern nur einer, der durch viele Erfahrungen geschritten und ja, im besten Falle gereift ist. Das Aussehen hat sich verändert, der Inhalt nicht: So wie ein kleines Kind seine Augen hinter den Händen verbirgt und meint, man sähe es nicht mehr und es sei gut versteckt, so transportieren große Kinder mit großen Maschinen Atommüll in Salzstöcke und meinen, nur weil man ihn nicht mehr sähe, schade er nicht mehr – oder, noch einfacher, wie vor Zeiten in Frankreich geschehen, wirft man ihn einfach ins Meer. Was man nicht mehr sieht, ist nicht mehr da. Nach dieser Maxime wurden auch bei Kriegsende tonnenweise Waffen in die Ostsee geworfen, teilweise bis heute brandgefährlich sehen wir nicht mehr, was uns heute noch bedroht – was die großen Kinder vor uns unsichtbar gemacht haben. Nüchtern. Verantwortungsbewusst. In einem großen, gefährlichen Spiel, bei dem es nicht mehr um Murmeln geht, sondern um Land, Einfluss, Macht oder einfach etwas zu Essen.

Diese Erkenntnis sollte uns zu großen, verantwortlichen Geschwistern machen: Wollen wir nicht, dass uns die heute Kleinen morgen eine Schaufel auf den Kopf hauen, dann sollten wir ihnen heute beibringen, dass so etwas nicht in Ordnung ist, sondern weh tut. Und zugleich gilt: Was wir vorleben, halten die Kleinen von heute als Große von morgen für normal. Wer heute alte Menschen in Heimen bei mittelmäßiger Pflege durch unterbezahlte und überarbeitete Kräfte dahinsiechen lässt, wird morgen neben ihnen liegen. Wer heute Mobbing duldet, entscheidet über den Umgang der großen ‚Kinder‘ in der Arbeitswelt von morgen. Und wer glaubt, Müll könne man wie in der Steinzeit auf einen großen Haufen hinter sich schmeißen, der muss sich nicht wundern, wenn der Haufen eines Tages ein stinkender Berg ist. Und was hat es bei all dem mit dem unsichtbaren Gott auf sich? Während kleine Kinder oft nicht hinterfragen, sondern fest an ihn glauben, sagen große Kinder  – ich sehe nichts – also ist nichts da. Wirklich?

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[23.04.2019] Resonanz fand der durch das Kirchenfoyer organisierte Literarische Karfreitag auch in den Westfälischen Nachrichten. Lesen Sie unter diesem Link den gesamten Artikel https://www.wn.de/Muenster/Kultur/ weiterlesen...
[15.04.2019] Gekrümmt, leidend, entblößt – so steht die Christusfigur des Holzbildhauers Ernst Franz aus Unterammergau im Kirchenfoyer in Münster. Von Palmsonntag, 14. April, an wird sie in der citypastoralen Einr weiterlesen...