Die einen glauben, dass Weihnachten sich zugetragen hat. Dass Gott selbst in die Welt gekommen ist und sein Wort an die Menschen richtet. Er spricht zu ihnen, so erzählt es die biblische Geschichte – indirekt in Träumen mit dem heiligen Josef und den heiligen drei Königen, direkter durch die Begegnung mit seinen Boten, den Engeln, mit Maria und den Hirten, schließlich, durch seine Menschwerdung in Jesus als Mensch, ganz direkt zu den Menschen, die ihm begegnen.  

Andere sagen: Das kann doch alles gar nicht sein, Weihnachten, das ist nur ein netter Brauch – an dem in unserem Land Weihnachtsbäume aufgestellt und Geschenke verteilt werden. Ich möchte deshalb einen neuen und doch ganz alten Blick wagen: 

In der Weihnachtsgeschichte knien Könige vor einem Kind nieder, die Mächtigen vor den Machtlosen. Es versammeln sich friedlich die unterschiedlichsten Kulturen. Menschen und Tiere leben harmonisch zusammen, Mann und Frau, Maria und Josef, unterstützen sich gegen alle Widrigkeiten: Trotz ihrer Ächtung als schwangere, unverheiratete Frau hält Josef zu ihr. 

Wenn es also um die Frage geht, was denn an der Weihnachtsgeschichte wahr ist und was nicht: Wahr ist, dass es Menschen gut tut, wenn die Mächtigen die Machtlosen hören und ihnen in Demut begegnen. Wahr ist, dass Menschen unterschiedlichster Kultur und Hautfarbe einander in Frieden begegnen sollten. Wahr ist, dass Menschen und Tiere sinnvoll miteinander leben müssen – all das ist wahr, richtig und gut. Wahr ist, dass Männer ihre Frauen stützen und Männer und Frauen voneinander Freundschaft und Partnerschaft erfahren und Eltern für ihre Kinder sorgen sollten.  

Warum ist das alles wahr? Weil die Erfahrung lehrt, dass nur Gesellschaften, die all diese Grundsätze wahren und ihnen weitere gute hinzufügen, ein friedliches, gutes und gesundes Leben für alle auf lange Sicht gewährleisten können. 

All das fasst man auch in dem Satz ,Weihnachten ist das Fest der Liebe‘ zusammen – und das bedeutet, dass Weihnachten nie einfach nur ein Brauch sein kann. Weihnachten, das muss Praxis sein, heute unter dem Baum und das ganze Jahr über, jeden Tag neu, ob Ihr’s glaubt oder nicht.

Christiane Kuropka

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