Gründonnerstag – weshalb denn eigentlich „grün“? Anders als man vermuten könnte, geht es hierbei nicht um die Farbe, sondern um das „Greinen“, das Weinen und Trauern an dem Tag, der an das letzte Abendmahl mit Jesus Christus und den darauffolgenden Verrat seines Aufenthaltsortes an die Autoritäten in Jerusalem erinnert, der zu seiner Leidensgeschichte und seiner Hinrichtung am Kreuz führt.
Die Tatsache, dass Jesus sich als Sohn Gottes bezeichnet, wird ihm als Blasphemie ausgelegt, die mit dem Tod bestraft werden soll – mit dem Wissen um den Auferstandenen ist der Tod Christi ein historisches Mahnmal dafür, dass wir Menschen niemals über den Tod eines Menschen verfügen sollten – weder wissen wir, was der Tod in seiner Tiefe bedeutet, noch ist Blasphemie Grund genug – denn Gott braucht niemanden, der für ihn straft. Er selbst ist Souverän und sein Handeln steht außerhalb unseres Ermessens. Glauben wir Menschen, es besser zu wissen, so richten wir Ihn selbst hin, vergehen wir uns am Schöpfer des Lebens.
Gründonnerstag – greinen und weinen.
Greinen und weinen – denn die Situation ist aussichtslos. Unumkehrbar. Schon beim Abendmahl steht der Verrat fest. Überlegungen und Planungen werden ihm voran gegangen sein. Es geschieht nichts aus dem Nichts heraus. Nun, im Garten Gethsemane, ist es soweit: In Erwartung seines Schicksals bebt Jesus in Todesangst. Er bittet seine Jünger, mit ihm zu wachen und zu beten.
Und so wird der Gründonnerstag zum Beispiel dafür, was in der Ausweglosigkeit, in extremen Situationen, zu tun ist: Den betroffenen Menschen nicht allein zu lassen, mit ihm zu wachen, mit ihm zu beten – in der Erwartung einer „Auferstehung“, in der Erwartung einer unerwarteten Wende, wie sie Gott im Leben veranlassen kann – und sei es in einem Leben nach dem Tod, in einer neuen Etappe.
Vielen Menschen fällt es schwer, Krisen anderer zu ertragen: Die Krise eines depressiven Menschen, den Todeskampf eines Sterbenden, den langen Weg einer Krankheit oder der Verarbeitung seelischen Leidens. Dabei geht es um wenig: Dran- und dazubleiben, wenn alle anderen schon gegangen sind. Gemeinsam zu wachen, dort, wo Einsamkeit und Mutlosigkeit herrschen. Beten, allein und gemeinsam, wenn alles verloren scheint – und auf das zu harren, was noch kommt, denn: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“
Christiane Kuropka