In Kooperation mit dem Ursulinenkloster Dorsten, der Tisa von der Schulenburg Stiftung und der Gesellschaft für Leprakunde e. V. werden wir in den kommenden Monaten seltene Originale der berühmten und im Ruhrgebiet hochverehrten Künstlerin und Ordensfrau Tisa-von-der Schulenburg zeigen können. Der Todestag dieser mutigen Frau mit dem bewegenden Lebenslauf (u. a. Schwester des Widerstandkämpfers Fritz Dietlof von der Schulenburg) jährt sich in diesem Jahr zum 25. Mal. Aus diesem Anlass konnten wir das Kloster dafür gewinnen, seltene Werke, sowohl Zeichnungen, wie auch Bronzeskulpturen und wunderbare Aquarelle zu zeigen, die Tisa erst am Ende ihres langen Künstlerinnenlebens gemalt hat. Wir sind ganz besonders stolz, die beeindruckenden Werke in Münster präsentieren zu können.

Die Eröffnung der Ausstellung wird am Freitag, den 17.04.26, um 19.00 Uhr stattfinden.


Tisa von der Schulenburg wurde 1903 in Tressow geboren. Schon mit 12 Jahren begann sie mit Scherenschnitten. Mit 16 stellte sie sich damit bei Max Liebermann vor. Mit ihrer Familie verbrachte sie ihre ersten Lebensjahre in England, Berlin und Münster. Von 1925 – 1928 studierte Tisa an der Berliner Kunstakademie und der Kunstschule in Paris.
Zahlreiche Begegnungen kreuzten ihren Weg und beeinflussten ihre Kunst: Henry Moore, Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Max Beckmann, Heinrich und Thomas Mann, sowie Albert Einstein, Heinrich Böll und Bertolt Brecht, Carl Zuckmayer und Oskar Kokoschka und viele mehr.
1934 musste Tisa mit ihrem 1. Mann (F. Hess) nach England emigrieren. Sie begann in England mit den arbeitslosen Bergarbeitern zu zeichnen und zu schnitzen. Die Verbundenheit zu den Bergarbeitern hielt ihr Leben lang.
Der 2. Weltkrieg und die Auswirkungen auf ihre Familie, Rückkehr nach Deutschland, Verschwörung gegen Hitler (Bruder „Fritzi“ -Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg- wurde nach dem Attentat auf Hitler hingerichtet), Verlust der Eltern und ihrer fünf Brüder, Scheitern einer 2. Ehe, stürzten Tisa von der Schulenburg in eine tiefe Krise.
Sie findet für sich einen Neuanfang, konvertiert zum katholischen Glauben und tritt 1950 als Schwester Paula in den Orden der Ursulinen in Dorsten ein.
Im Ruhrgebiet nimmt sie die Arbeit mit den Bergleuten wieder auf.
Auch als Ursuline, Malerin, Bildhauerin und Schriftstellerin nimmt sie Anteil und kämpft mit ihren Mitteln durch Zeichnungen und Plastiken gegen Not, Elend, Gleichgültigkeit und Vergesslichkeit.
Ihre Wege führten sie nach Vietnam und Afrika, in den Nahen Osten, nach Biafra, Äthiopien, Israel, England, Amerika und Korsika.
Mit ihrer Kunst, Malerei, mit ihren Skulpturen und Reliefs brachte Tisa all das zum Ausdruck, was sie in ihrem langen Leben erlebt, durchlebt und erlitten hatte.
Als Schriftstellerin fasste sie all das auch in Worte:
„Es hat schwere Tage und schwere Zeiten gegeben, aber das Geschenk und der Reichtum des Lebens waren Freunde. Ich denke mit Staunen und Dankbarkeit zurück.“
„Ich sehe mein Leben als reich und erfüllt an.“
Tisa von der Schulenburg wurde 97 Jahre alt und starb am 8.2.2001 im Ursulinenkloster in Dorsten.