Wort zu Mariä Aufnahme in den Himmel: Die Solidarität Mariens

Pressedatum: 
15.08.2020

Heute feiern wir ein wichtiges Fest: Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Verbunden damit ist der Tradition nach die Kräuterweihe: Dabei wird mit jedem dargebrachten Kraut in einer spezifischen Symbolik Maria das Leben der Menschen anvertraut: Um Gesundheit und Wohlstand, um Liebe und Erfolg, um Mut und Schutz wird gebeten. Maria, sie soll Fürsprecherin und Bewahrerin für gelingendes Leben sein. Dieses kindliche Vertrauen ist christlich-global: Es sind die schweren Jungs mexikanischer krimineller Banden, die sich das Gnadenbild der Maria von Guadalupe auf den Oberkörper tätowieren lassen, denn auf sie darf nicht geschossen werden. Es sind in aller Welt auch gerade Männer, die ihre tiefste Verehrung der Gottesmutter zukommen lassen und fromm das Knie beugen vor der, die nicht nur „gebenedeit [gesegnet] unter den Frauen“, sondern vielmehr gebenedeit unter uns allen ist.

Diese Verehrung ist zweischneidig. Denn gerade Mexiko ist ein Beispiel für ein Land, in dem Banden und Drogenmafia Frauen auf die unbeschreiblichste Art misshandeln. Spätestens seit der #MeToo-Debatte wissen wir jedoch: Gewalt beginnt nicht erst in ihrem offenen, physischen Ausbruch. Ihr Keim wird schon überall dort gesät, wo Frauen ihre Würde verwehrt wird: Wo sie weder sichtbar sein noch eine Stimme haben dürfen, wo sie ihre Interessen nicht hörbar vertreten sollen, wo sie durch Blicke, Bemerkungen und schlichte Miss- und Verachtung ignoriert werden - all das aus dem einzigen und schlichten Grund: weil sie Frauen sind.

Jesus hat es uns verkündet: Alles, was wir einem anderen Menschen tun oder nicht tun, Gutes wie Schlechtes, tun wir Christus selbst an. Alle physische und psychische Gewalt also, die Frauen wegen ihres Frau-Seins angetan wird, wird demnach Christus selbst angetan. Die Pietà führt es uns vor Augen: Das Leiden Christi bedeutet auch immer ein Leiden Mariens. Man kann deshalb mit Fug und Recht sagen: All das Leid, das Frauen angetan wird, wird auch der Gottesmutter angetan - nicht zuletzt, weil sie selbst eine Frau ist, der, und da sind sich alle Gläubigen einig, ihre Würde mit dieser Begründung nicht abgesprochen werden darf.

Christiane Kuropka