Wort zu Fronleichnam: Die Geheimsprache der Katholiken

Pressedatum: 
10.06.2020

 

Fronleichnam – das Zombiefest der katholischen Kirche? Seien wir realistisch: Können wir von Nicht- oder auch reinen Statistik-Katholiken erwarten, sich im Mittelhochdeutschen heimisch zu fühlen? Frei nach dem Motto: Waaas, du weißt nicht, dass vrôn Herr und lichnam lebendiger Leib bedeutet? Nein, das wird wohl niemand verlangen können. Und deshalb wird am heutigen Hochfest ein allgemeines Problem deutlich: Wir nutzen Worte und Bilder in der liturgischen, aber auch allgemeinen Sprache unseres Glaubens, die darin Aufgewachsenen so vertraut sind, dass sie oft nicht mehr hinterfragt oder in unsere Zeit übersetzt werden. Und so können wir es niemandem verdenken, zu meinen, dass wir heute den Tag einer ‚frohen Leiche‘ feiern, und nicht die lebendige Anwesenheit unseres Gottes in Brot und Wein – was für ein sympathischer Gott und das völlige Gegenteil eines gruseligen Leichenszenarios.  

Es zeigt sich: Es ist die Tradition, die unserem Auftrag im Wege stehen kann. Das Hergebrachte ist vertraut – aber ist es deshalb immer sinnvoll? Wahr? Richtig? Für was wollen, für was sollen wir in dieser Welt stehen? Eine Sammlung von Unverständlichkeiten? Oder für die Liebe, die Gott uns Menschen schenkt, und die wir untereinander in Respekt und Toleranz leben sollen? Eine Würde, die jedem Menschen, egal welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe, welchen Glaubens, Meinens und Denkens zugestanden werden muss, weil Gott es so bestimmt hat?

Jesus selbst hat klare Bilder gewählt, mit denen er seine Botschaft vermittelte. Er sprach vom Hirten und vom Sauerteig und blieb damit ganz bei den Menschen, die er vor zweitausend  Jahren erreichen wollte. Nehmen wir uns im Hier und Heute ein Beispiel an ihm - denn sonst bleibt die Frohe Botschaft, zum Nachteil für uns und aller Menschen, geheim.

Christiane Kuropka