Wort zum Mai: Der Heilige Josef

Pressedatum: 
01.05.2020

             

Heute beginnt der Marienmonat Mai. Was viele nicht wissen: Der erste Mai ist auch der Feiertag des Heiligen Josef. Der Ziehvater Jesu erscheint nur an wenigen Stellen im   Evangelium und tut sich vor allem durch eines hervor: Zurückhaltung. Er ist kein ‚Macher‘, und trotzdem ganz ein Mann der Tat, er ist kein Freund großer Worte, und trotzdem jemand, der im entscheidenden Moment das Richtige tut. Seine Kraft schöpft er nicht aus einem aufgeblasenen Ego, sondern aus einer viel tieferen Quelle, nämlich dem Zwiegespräch mit Gott, mit dem Hören auf das, was ihm im Unterbewussten seiner Seele, im Traum mitgeteilt wird. Dies gibt ihm die Kraft, sich nicht den Regeln anderer zu unterwerfen, vielmehr lebt er eine größere Freiheit: Indem er seine Verlobte und Frau Maria mit Loyalität beschützt, schützt er sie auch vor der Unbarmherzigkeit und Rücksichtslosigkeit einer patriarchalischen Gesellschaft. Dort, wo eine Frau im Allgemeinen und unverheiratet sowieso keinerlei gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten hat, als unverheiratete Mutter eines Kindes verachtet wird oder Schlimmeres, dort tritt Josef, trotz der inneren Krise, die das Einstehen für ihn bedeutet, an die für ihn bestimmte Stelle. Er nimmt als Vater und Ehemann eine gesellschaftliche Rolle ein, ohne sich jedoch zum Spielball ihrer patriarchalischen Regeln machen zu lassen: Nicht der Wunsch nach Macht und Selbstbespiegelung bestimmt sein Handeln, sondern seine Empfindsamkeit für die Nöte der ihm anvertrauten Menschen.

Jesus, ganz Gott aber auch ganz Mensch, ist von seinem Ziehvater geprägt und beeinflusst worden. Sein Handeln ist geprägt von einer tiefen Versenkung in das Gebet, seine Achtung vor Frauen, denen er die Botschaft der Auferstehung für seine Jünger anvertraut, in seiner Zeit mehr als ungewöhnlich, die Fußwaschung, die er seinen Jüngern zuteilwerden lässt, ein ungewöhnlich intimer Moment. Josef und Jesus – sie handeln aus einer tiefen, friedvollen und empathischen Haltung heraus. Wer Christ ist, muss sich Jesu Handeln und damit in der Wurzel auch das des Heiligen Josef zum Vorbild nehmen.

Christiane Kuropka