Wort zu Karfreitag

Pressedatum: 
10.04.2020

Das Wort ‚Corona-Krise‘ zeigt es schon: Diese besondere Zeit, in der wir uns befinden, hat es in sich. Wer die Krise kriegt, regt sich auf, versteht die Welt nicht mehr, alles entgleitet ihm. Ein Mensch in der Krise leidet. Auch viele von uns leiden zur Zeit: Während die einen sich freuen, mal in Ruhe zu Hause bleiben zu können, vereinsamen andere regelrecht. Unruhige Geister, Menschen, die für ihr psychisches Gleichgewicht in besonderer Weise auf Aktion und viele Kontakte angewiesen sind, fühlen sich unwohl, andere, die sowieso schon allein und vereinsamt sind, vereinsamen noch mehr.

Auch Jesus ist einsam. Auf seinem Leidensweg, am Kreuz: Seine Jünger, seine Freunde, sie trauen sich nicht, ihre Loyalität zu ihm nach außen zu zeigen, aus Angst vor Gewalt. Wenige bleiben unter dem Kreuz versammelt, einzig die Frauen, darunter seine Mutter, und der jüngste Jünger. Jesus in der Krise. Alles scheint ihm entglitten zu sein. Und auch die, die ihm die Treue halten, die bei ihm sein möchten, haben Angst, sind machtlos und können nur noch eines: da sein. Abwarten. Ihm ihre Liebe durch ihr Da-Bleiben anzeigen. Gemeinsam Abschiednehmen.

Vielen Christen bedeutet es etwas, diesen Tag des Leidens Christi in besonderer Weise spirituell nachzuvollziehen. Während die einen gerne die Karfreitagsliturgie besuchen oder besonders fasten, gibt es Kulturen, in denen die Kreuzigung sogar regelrecht nachgeahmt wird. Leiden mit und für Christus. Im Leiden wollen sie dem, der für sie gelitten hat, besonders nahe sein. Dabei ist es nicht das Leid, das im Kreuzestod Christi verherrlicht wird. Gott hat uns nicht aufgetragen, uns jeden Sonntag zu seiner Freude selbst zu kasteien. Im Gegenteil: Das Leiden am Kreuz verweist immer auf die Auferstehung. Christus zeigt uns im Leiden und im Tod seine Solidarität. In der Krise hält er uns sein Kreuz entgegen, nicht, weil er sich an unserem Leid erfreut, sondern weil er uns zeigt: Hab keine Angst. Dieser Kelch geht vielleicht nicht an Dir vorüber, aber ich werde alles neu machen. Meine Macht reicht über das Leid, den Tod und die Einsamkeit hinaus. Das Ziel ist neues Leben, Leben in Fülle.

Christiane Kuropka