Wort zur Fastenzeit

Pressedatum: 
17.03.2020

Die guten Vorsätze zum Neuen Jahr sind schon fast vergessen, da klopft die Fastenzeit an die Tür unseres Gewissens. Viele entscheiden sich für einen Verzicht, um alltägliche ,Laster‘ loszuwerden: Das Rauchen. Die Wampe. Den inneren Junkie: Verzicht auf den tagtäglichen Medienkonsum. Eine andere Variante des Fastens bietet seit über dreißig Jahren die evangelische Kirche an: Sie wirbt in diesem Jahr mit dem Motto „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“. Damit macht sie auf das aufmerksam, worum es beim Fasten tatsächlich geht: Um eine Form der seelischen Hygiene, um Innerlichkeit und innere Wahrnehmung. Verzicht kann dabei bedeuten, einen von außen auf uns eindringenden Eindruck zu reduzieren, denn wer auf äußere Eindrücke verzichtet, schärft seine inneren Sinne. Unbeeindruckt von einer Überflutung von Sinneserfahrungen steigt die Intensität von Gefühlen, die im Alltag überdeckt werden von Selbstverständlichkeiten. Das Gleiche gilt für vorgefertigte Gedankenmuster: Auch sie entspringen selten einer inneren Quelle, sondern haben sich mit der Zeit in unsere Köpfe eingefahren. Sie können unsere innere Empfindsamkeit, unser Radar für das, was gut und richtig für uns und unser Leben ist, empfindlich stören und eine seelische Taubheit hervorrufen. Oder anders: Wer sich beständig an einem falschen Motto misst, erstarrt vor unsichtbaren Hindernissen.

Deswegen ist Verzicht vor allem eines: anstrengend. Er bedeutet, Eingefahrenes hinter sich zu lassen, neu aufzubrechen und sich inneren Befindlichkeiten und Sehnsüchten neu zu stellen. Nicht umsonst heißt es deswegen in den Gottesdiensten zu Aschermittwoch: „Kehre um und glaube an das Evangelium“. Fasten bedeutet, sich auf das und den einzulassen, der wesentlich für unsere Leben ist: Auf Gott und das, wozu er uns geschaffen hat: Ein Leben in Fülle, das wir immer wieder aufs Neue beginnen dürfen.

Christiane Kuropka