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Wort zum Juli

Pressedatum: 
01.07.2019

 

Gebet des Goldfisches

Mein Gott,
ich kreise endlos um diesen durchsichtigen,
harten Felsen
und finde einfach keinen Ausgang!
Befreie mich aus diesem engen Wasser
und von diesen unheimlichen Dingen auch,
die ich da draußen sehe!
Versetz mich wieder in die Freiheit deiner Flüsse
und deiner frischen, klaren Quellen!
Lass mich nicht immer nur der kleine
Goldfisch sein
in seinem gläsernen Gefängnis,
sondern ein lebendiges Feuerzünglein
im Gewässer zwischen grünem Schilf…
Amen, so mög‘ es sein!

(Carmen Bernos de Gasztold, frz. Poetin und Ordensfrau)

Kennen Sie das? Der Alltag ist zum Trott geworden und die immer gleichen Aufgaben starren Sie an. Es scheint keinen Ausweg zu geben, denn über allem steht ein „Man muss“, „Man tut das so“ und wenn Sie es nicht tun, wer tut es dann? Dann kommt eines Tages der Moment, in dem es nur noch die Hetze um alle diese Aufgaben gibt… Gott, Freundschaften oder auch einfach mal eine gute Ruhe für sich selbst haben keinen Platz. Kann das so gewollt sein? Hat Gott uns auf die Hetze hin geschaffen? Wesen, die aus 214 Knochen, 100 Billionen Zellen bestehen und um die 29.200 Tage leben können? Zerbrechen sich permanent den Kopf, ob der Schwiegermutter die Urlaubsplanung gefällt, ob der Vorgesetzte mit der neuen Papierbestellung einverstanden oder die nächste Sitzung (1 Tag von 29.200!) nicht in einer gefühlten Katastrophe enden könnte? Nein, das kann es nicht sein. „Der Sabbat (Ruhetag, Sonntag) wurde für den Menschen gemacht“, spricht Jesus (Mk 2,27). So viele Zahlen man über den menschlichen Körper auch aufzählen kann, er bleibt zerbrechlich und empfindsam. Auf diese Empfindungen Rücksicht zu nehmen ist Lebensaufgabe, denn sie sind Teil dessen, was Gott in uns geschaffen hat. In diesem Sinne: Lassen Sie sich diesen Sommer nicht nehmen! Genießen Sie die Sonne und den grünen Schatten der Bäume! Brechen Sie aus ihrem persönlichen Goldfischglas aus und werden wieder zu dem ‚lebendigen Feuerzünglein‘, als dass Gott Sie gewollt und geschaffen hat!

 (Text/ Bild: Christiane Kuropka)