Kirchenfoyer zeigt Schmerzensmann

Pressedatum: 
15.04.2019

Gekrümmt, leidend, entblößt – so steht die Christusfigur des Holzbildhauers Ernst Franz aus Unterammergau im Kirchenfoyer in Münster. Von Palmsonntag, 14. April, an wird sie in der citypastoralen Einrichtung an der Ecke Salzstraße und Lambertikirchplatz zu sehen sein und an das Leiden und Sterben Jesu erinnern.  

Franz hatte die Christusfigur während des Katholikentages im vergangenen Mai zum Leitwort „Suche Frieden“ öffentlich geschnitzt. Nach dem Glaubensfest nahm er die Figur des Schmerzenmannes mit in seine Heimat und feilte mehrere Monate weiter an ihr. Nicht nur künstlerisch, auch inhaltlich hat sich der bayerische Künstler mit der Figur beschäftigt – und Botschaften untergebracht. So steht die Christusfigur auf einem Sockel, der mit Zeitungsartikeln über die Christenverfolgung im Nahen Osten gestaltet ist. Die Fesseln an den Händen Christi zeigen Ausschnitte der Berichterstattung zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Die Dornenkrone ist aus Stacheldraht geformt.

Rupert König, Leiter des Kirchenfoyers, hat diese Christus-Darstellung bewusst für die Karwoche ausgewählt: „Sie zeigt einerseits, dass unser Glaube an Christus ein Fundament ist, für das noch heute Menschen verachtet und verfolgt werden. Gleichzeitig verdeutlichen die Fesseln, dass der befreienden Kraft Gottes durch Missbrauchstaten und menschliches Versagen die Hände gebunden sind.“ Er macht außerdem auf die Nacktheit Christi aufmerksam: „Er steht entblößt und gedemütigt da. Damit stellt er sich auf eine Ebene mit denen, die ihrer menschlichen Würde beraubt sind. Und hierzu gehören auch die Betroffenen der Missbrauchstaten“, verdeutlicht König.

Die Christusfigur ist in den Kar- und Ostertagen im Kirchenfoyer zu sehen. Begleitet wird die Darstellung von Bildern zur Passion des Coesfelder Künstlers Rainer Fietzek. Unter den Schlagworten „Gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben“ schuf er vier großformatige Bilder, die das Leiden und den Tod Jesu Christi darstellen, der verwundbar und ohnmächtig menschlicher Aggressivität unterlag. Das fünfte Bild mit dem Titel „Auferstanden“, das die christliche Hoffnung auf Auferstehung zum Ausdruck bringt, wird ab Ostersonntag im Kirchenfoyer aufgehängt.

Eine weitere Aktion hat König für Karfreitag geplant. In Großbuchstaben wird er an die Wand im Kirchenfoyer das Wort „INRI“ schreiben. Übersetzt bedeutet das „Jesus von Nazareth, der König der Juden“. In der Osternacht folgt dann die Wandlung: „Aus dem ersten I wird das christliche Symbol PX, das optisch als x im P gezeichnet wird. Und so wird aus ‚Jesus von Nazareth, der König der Juden‘ ein ‚Christus von Nazareth, der König der Juden‘“, erklärt der Leiter des Kirchenfoyers. Eine Osterbotschaft, die auch von außen zu sehen sein wird.